Warum „Smartwater“ totaler Bullshit ist

Ich stehe am Bahnhof und warte auf meinen Zug nach Dortmund. Ich beobachte die Menschen, spüre den Trubel um mich herum und lasse meinen Blick schweifen. An der großen Werbetafel am Gleis gegenüber halte ich inne. Sie zeigt Jennifer Aniston, in ihren Händen eine Wasserflasche. Eine Wasserflasche? 

Aha.

Noch viel irritierender finde ich aber den Slogan: „smart is the new sexy“. Im TV-Spot wird sogar mit dem Titel "IT-Piece" geworben. Moment mal: Reden wir hier immer noch von Wasser in Plastikflaschen oder hab‘ ich was verpasst? Ich steige in meinen Zug und entschließe mich, weiter zu recherchieren. Die Werbeagentur hat also ihren Job gemacht: der Bahnreisende fängt an, über das Gesehene nachzudenken. 

Was ich rausfinde, ist aber weder „smart“ noch „sexy“. Es erstaunt mich so sehr, dass ich nun auf meinem Reiseblog einen Artikel über Wasser in Plastikflaschen veröffentliche.

 

 

Zu allererst besuche ich die Seite von CocaCola, dem Konzern, dessen Tochtergesellschaft GLACÉAU jenes „Smartwater“ vertreibt. Anscheinend war ich nicht der Erste, der wissen wollte, was an diesem „Smartwater“ so smart ist: Ich stoße auf einen Artikel, der genau meine Frage beantworten soll.
SmartWater sei „inspiriert von den Wolken“ und besteche durch seinen „frischen und klaren Geschmack”.

Spoiler: Auf Instagram habe ich nach Menschen gesucht, die das "Smartwater" bereits getestet haben - und keine*r konnte einen Geschmacksunterschied feststellen!

Das Verfahren, mit dem das Wasser hergestellt wird, wird so herrlich kompliziert beschrieben, dass ich es CocaCola fast abgekauft hätte:

Für die Herstellung des „Wolkenwassers“ wird herkömmliches Leitungswasser (!) verdampft und wieder aufgefangen. Die dabei verloren gegangenen Mineralstoffe (z.B. Magnesium, Calcium und Kalium) werden anschließend wieder künstlich dazugegeben. In ernährungspsychologischer Hinsicht ist dieses Verfahren völlig sinnfrei. Es scheint, als wolle CocaCola damit beeindrucken - doch nicht alles, was smart klingt, ist es auch.

Smart ist tatsächlich einzig und allein das Marketing hinter diesem Wasser. Die Trinkwasserindustrie ist ein riesengroßes Geschäft und CocaCola hat es geschafft, aus einem Grundnahrungsmittel hohen Profit zu schlagen. Ein „Smartwater“ im Regal impliziert dem Kunden nämlich sofort, dass jedes andere Wasser „Stupidwater“ ist. Die „innovative Technologie“ wirkt beeindruckend kompliziert und wissenschaftlich - das rechtfertigt den utopisch hohen Preis von 1,65€ pro Liter doch sicher (nicht!)...

 


(Not so funny) Fun Fact: "Smartwater" ist bis zu sieben Mal teurer als herkömmliches Mineralwasser in Plastikflaschen.


 

Der ökologische Aspekt

Smartwater wird ausschließlich in PET-Flaschen vertrieben*.

CocaCola lies 2017 erstmalig einen Einblick in die eigene Plastikproduktion gewähren. Weitere Informationen sind in Berichten des New Plastic Economy Global Commitments einzuholen. Die Zahlen sind schockierend: Allein CocaCola produziert im Jahr drei Milliarden Plastikflaschen.

Wohin damit?
Das deutsche Pfandsystem ist vergleichsweise innovativ - in anderen Ländern, in denen Mega-Konzerne wie CocaCola ihre Produkte verkaufen, herrscht großes Plastikchaos. So gibt es weder in Indien noch in Chile (in beiden Ländern ist neben den "typischen" Getränken von CocaCola wie Fanta oder Sprite auch Smartwater erhältlich) ein Pfandsystem und auch in Kanada und den USA ist die Pfandrückgabe nicht einheitlich geregelt. Trinkwasser-Produzenten wie CocaCola, Nestlé und Co tragen also massiv zur Umweltverschmutzung bei - und kümmern sich kaum darum. 


*Einzige Ausnahme sind einzelne, von CocaCola ausgewählte Hotels und Restaurants in Las Vegas, Atlanta und Los Angeles, in denen das "Wolkenwasser" auch in Glasflaschen auf den Tisch kommt. Weil seitens des Konzerns aber keine Ambitionen bemerkbar sind, künftig weltweit auf Glasflaschen umzusteigen, vermute ich aber, dass die Glasflaschen von Smartwater eher der Ästhetik dienen und weiterhin kein großes Interesse am Umweltschutz besteht.

 

Wahnsinn, oder?!

Das dachten sich auch 23 000 Menschen, die „smartwater“ Ende 2018 für den „goldenen Windbeutel“ nominierten. Diesen Titel trägt kein Produkt gerne - vor acht Jahren ausgerufen von foodwatch, werden jährlich Verbraucherumfragen durchgeführt, um den größten Flop in den Ladenregalen zu finden. Smartwater hat diesen Wettkampf um den Titel als „das schwachsinnigste Produkt 2018“ gewonnen - nicht ganz unverdient, finde ich.

Viel smarter: Leitungswasser!

Das Trinken von Leitungswasser erspart Dir nicht nur schweres Schleppen, es ist auch wesentlich besser für die Umwelt! "Smartwater", hergestellt mit einem völlig sinnfreien Verfahren und verkauft zu überteuerten Preisen und importiertes Trinkwasser wie "Evian" aus Frankreich haben nämlich eines gemeinsam: Ihr ökologischer Fußabdruck ist riesig! 

Mit Leitungswasser ist das ganz easy: Hahn auf, Glas drunter, Hahn zu. Leitungswasser ist übrigens genau so gut im Durstlöschen wie jedes Mineralwasser - und dabei mit 0,05€/Liter ganz schön günstig! Leitungswasser ist etwa 100 Mal preiswerter als Mineralwasser aus dem Supermarkt.

Auf Kohlensäure musst Du auch nicht verzichten: Schaffe dir einmalig einen Soda-Sprudler an. 


Übrigens: Das häufig angeführte Argument, Leitungswasser beinhalte weniger Mineralien als Mineralwasser aus dem Supermarkt stimmt nur bedingt. Ja, tatsächlich ist Mineralwasser in der Regel reicher an Magnesium, Calcium und Co - allerdings ist bereits erwiesen, dass der menschliche Körper diese Mineralien in ihrer Fülle überhaupt nicht verarbeiten kann. Der Mineralienbedarf wird nämlich allein von der Nahrung gedeckt. 


Du hast kein gutes Gefühl und möchtest dein Leitungswasser gerne testen lassen? Auch das ist kein Problem. Mithilfe von Testkits wie das von Watersafe kannst Du deinen Hahn ganz einfach überprüfen. Alternativ kannst Du auch einen Test von deiner Stadt durchführen lassen, dieser ist ggf. mit Mehrkosten verbunden.

 

Trinken unterwegs

Wenn Du auf Reisen bist, gestaltet sich die Suche nach gutem Trinkwasser oft schwierig. Hier findest Du super Alternativen zur PET-Flasche aus dem Supermarkt:

  • Trinkflasche: nicht nur für unterwegs eine gute Investition! In vielen Plastikflaschen lösen sich gesundheitsgefährdende Weichmacher (z.B: Bisphenol-A, kurz: BPA) - mit deiner eigenen Flasche aus Glas oder Metall kommen die Dir nicht in die Flasche!
  • aufkochen: Nimm' optisch klares Wasser und koche es einmal auf. Damit tötest Du sämtliche Erreger ab. Klarer Nachteil dieser Methode: der Zeit- und Rohstoffaufwand.
  • Wasseraufbereitungstabletten: Gut dosiert entfernt das in den Tabletten enthaltene Jod sämtliche Erreger. Der Geschmack des Wassers leidet darunter - dem kann durch Zugabe von Aktivkohle entgegengewirkt werden.
  • Wasserfilter: Hierbei werden die Erreger durch die kleinen Poren der Mikrofilter zurückgehalten. In Kombination mit einem Aktivkohle-Filter gehst Du auf Nummer sicher. Dieser Kombifilter entfernt restliche Viren und bindet zudem die Geschmacksstoffe. Achte auf Gewicht und regelmäßige Wartung deines Filters.

Fazit

 

Wasser ist ein Grundnahrungsmittel. Wir alle sind darauf angewiesen - aber welches Wasser wir trinken, das obliegt heutzutage uns Verbrauchern. Unsere Wahl betrifft nicht nur unseren Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Wollen wir wirklich teures Wasser aus den französischen Alpen trinken oder solches, dem etliche Mineralien hinzugefügt werden, die unser Körper sowieso nicht verwerten kann? 

Oft ist umweltfreundliches Verhalten teurer (Bsp.: Zugreisen, fair fashion, Leben ohne Abfall) als unser alltägliches. Oft müssen wir unsere Comfort-Zone verlassen, -Mut beweisen-, um etwas Gutes zu tun. Selten ist die umweltfreundliche Lösung so einfach und bequem wie beim Trinkwasser: Hahn auf und Wasser marsch!

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