„Was will der denn eigentlich die ganze Zeit in Schottland und wo ist der denn gerade überhaupt?“ Ich verrate es Dir! Gerade sitze ich in einer Blockhütte in Mangersta, einem Dorf bestehend aus neun Häusern mit 27 Einwohnern. Gar nicht mal so klein für die Verhältnisse hier auf Lewis. Denn hier auf dieser Insel leben insgesamt nur 22 000 Menschen – und sie ist riesengroß! So groß wie Teneriffa in etwa. Und dort leben fast 900 000 Menschen! Gewaltiger Unterschied, nicht wahr? Aber für die Verhältnisse auf Lewis ist Mangersta gar nicht mal so klein.

Wie ich hier hin gekommen bin? Recht simpel eigentlich: Mit der Fähre! Von Uig auf der Isle of Skye zwei Stunden Überfahrt entfernt und schwubs, standen wir vorgestern in Tarbert und waren nun auf den Äußeren Hebriden! Genau, so heißt die Inselkette an der Westküste von Schottland nämlich. Sagt dir nichts? Egal, muss es auch nicht. Schau mal hier:

 

Und nun sitzen wir hier, auf unserer riesengroßen Insel, zwischen Schottland und Kanada. Ob uns langweilig ist? Nicht im Geringsten! Es ist herrlich hier! Auf der Facebookseite von GeoMarian poste ich schon täglich wie wild. Es gibt einfach so Vieles,das ich zeigen möchte. Und wenn es nur unsere Unterkunft ist.Die ist nämlich auch ganz besonders! Aber von vorne.

Von Tarbert  sind wir eineinhalb Stunden mit unserem Auto zu unserer Unterkunft gefahren. Die Landschaft dort war unglaublich schön, schroff und atemberaubend. Unseren Mietwagen haben wir auf übrigens Dillirium getauft, ich hoffe, Du kannst erkennen, warum… 😉

Zugegeben: Ein wenig Fantasie brauchst Du, aber es ist zu erkennen!
Unsere Unterkunft war traumhaft schön. Das Haus steht auf einer Halbinsel und ist fast vollständig von einer strahlend weißen Bucht umgeben. Selten so eine idyllische Lage gesehen! Wahnsinn! Unser Hostin, die auch im Haus lebte, hieß Gillian. Sie war so ziemlich der perfekte Host. Wir haben nun ja schon wirklich oft mit AirBnB übernachtet und viele interessante und tolle Menschen getroffen aber sie hat sie alle getoppt. Wirklich. Sogar als abends dann der Strom ausfiel (was gar nicht so selten ist auf den Äußeren Hebriden und teilweise auch Tage lang gehen kann), zündete sie tausende Kerzen an und sorgte dafür, dass wir uns wie ein Teil der Familie fühlten. Abends, am Tisch mit Gillian, ihren Kindern und meiner Mutter, habe ich mich auch gleich blamiert. Ich erzählte ihr, dass wir am nächsten Tag zu unserer zweiten Unterkunft auf der Insel weiter fahren würden und wir uns sehr darauf freuen. Ich sagte auch, dass ich wusste, dass die Unterkunft gar nicht weit weg war. „Ah; where is it?“, fragte sie darauf. Und dann habe ich Mangersta völlig falsch ausgesprochen. Also total falsch. Wie würdest Du denn Mangersta aussprechen? Mangeeestra, oder? So habe ich es jedenfalls getan. Und die arme Gillian verstand leider „Manchester“ und war total verwirrt und hilflos. Ich werde nie vergessen, wie sie wild gestikuliterte und mir versuchte, beizubringen, dass Manchster doch eine ganze Ecke weg war. Sie fragte unsicher, ob wir denn die Fähre ans Festland schon gebucht und ob wir auf dem Weg nach unten noch eine Übernachtung eingeplant  hätten. Dann hatte auch ich s geschnallt und probierte es noch einmal. „Määängersta“, sagte ich dieses Mal. Sie musste lachen, als sie bemerkte, dass ich das Nachbardorf meinte. „No, that´s not as far as Manchester…“ Ist aber auch schwer, dieser Ortsname, oder? 😉
Essen waren wir an diesem Abend übrigens noch bevor wir bei Gillian einzogen. Von der Fähre direkt zum „Restaurant“. Gillian hatte uns telefonisch einen Tisch reserviert und uns schriftlich Bescheid gegeben, dass wir doch vor unserer Ankunft dort zum Essen hinfahren sollten. Und so bogen wir um eine weitere Ecke und fuhren meilenlang durch die Pampa bis zu einem Dorf mit unausprechlichem Namen (Ich probiere  es gar nicht mehr,die Ortsnamen auszusprechen! 😉 ). Und auch dadurch fuhren wir, bis die einspurige Straße einfach auf einer Klippe endete. Auf einem  verwittertem Pfeiler war „Road End“ zu lesen. Ein verzweifelter Blick nach links und rechts und noch bevor wir etwas sagen konnten, hatte ich das „Restaurant“ entdeckt – Ganz oben auf der Klippe, am Ende einer einspurigen Straße stand doch wirklich ein kleines Häuschen mit Restaurant. Ich öffnete die Tür vonDilirium und bemerkte, wie sie mir sprichwörtlich  aus der Hand flog und aufschwung. Der Wind war unfassbar stark! Nur mit viel Mühe konnte ich sie gegen den Wind drücken und schließen – Wahnsinn!  Und ich dachte, an der Nordsee hätten sie Wind, aber das hier, das ist Wind! Schnell liefen wir zur Tür des Hauses, gaben uns einen Ruck und öffneten die Tür. Wir standen im Flur einer Wohnung und Mama wollte gerade schon wieder rausgehen, als eine Stimme aus dem vermeintlichen Wohnzimmer ertönte. „Come in!“ Ich öffnete die Tür und sah eine Tafel aus verschiedenen Tischen mit uralten Stühlen daran. Am Ende der Tafel saßen zwei Männer und eine Frau. Die Stimme schien von einer weiteren Frau, die neben dem Tisch stand, zu kommen. Sie sah so aus, als wäre sie die Bedienung und ich sagte ihr, dass wir einen Tisch reserviert hätten. „I only got one as you can see, boy!“, sagte sie. Schottischer Humor. Ich mag den. 😉 Wir setzten uns an den Tisch, neben die anderen Gäste und schauten an eine schwarze KreidetTafel mit dem Menü. Bevor wir bestellen konnten, hatten wir schon ein Gericht auf dem Tisch stehen. Fishpie, hieß es, also „Fischkuchen“. Klingt interessant oder? Und gut hat es auch geschmeckt! Wir erfuhren, dass Gillian schon bei der Reservierung ein Gericht angeben musste, weil die Bedienung Köchin und Bedienung gleichzeitig war. Ihr gehörte das Haus auch. Im Gespräch fanden wir heraus, dass die Fiona hieß. Ewig lange saßen wir in dem Haus auf der Klippe und hörten den Wind pfeifen. Okay, pfeifen ist das falsche Wort, donnern trifft es schon eher! 😉

Am Abend erzählte uns Gillian, dass sie nicht nur Fiona, sondern auch unsere nächste Gastgeberin, Tosh aus Määängersta, gut kenne und bestens mit ihr befreundet sei. Irgendwie wie eine große Familie, diese Insel hier. Und das ist auch das, was mir so gut an der Insel gefällt.- Hier kennt jeder jeden im Umkreis von 30 Kilometern – auch wenn die Gegend hier  auf den ersten Blick trostlos und schrecklich einsam erscheint, steckt dahinter doch eine richtige Gemeinschaft, die immer zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Wie eine Großfamilie und jeder, der zu Besuch kommt, darf Teil von ihr sein.

 

Heute haben wir in unserer Hütte verbracht,unserer Unterkunft bei Tosh. Wir wohnen also nicht in ihrem Haus, sondern in einer Blockhütte mit etwa fünfzehn Quadratmetern, die neben dem Haus steht – supergemütlich! Unsere eigene Küche haben wir auch. Heute Abend kochen wir Asiatisch. Wobei, das wäre untertrieben. Wir veranstalten einen regelrechten „Asia-Abend“ mit Krabbenchips,Curry, allen Arten von Nudeln und Reis und ganz viel Sching Schang Schong. Morgen werden wir den ganzen Tag auf hoher See sein und Wale beobachten. Drück uns die Daumen!

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Hi, ich bin´s Marian! Mit 14 Jahren Autor eines Blogs? Natürlich geht das! Als ich zwölf Jahre alt war, ergriff mich plötzlich das Reisefieber: Ich schnappte mir meine Mutter und den Rucksack und flog nach Kambodscha, Seitdem liebe ich Asien, Großstädte und das Fliegen selber mehr wie alles andere. Bleib doch noch ein wenig und entdecke mit mir die Welt!

4 Kommentare

  1. Hallo Marian
    Wie immer toll geschrieben . Da habt Ihr ja so einiges erlebt. Freue mich, daß es Euch gefällt! Ehrlich gesagt, konnte ich mir Schottland nicht so recht vorstellen. Aber nach Deinen Berichten und den Bildern, die Du ins Netz gestellt hast,habe ich festgestellt, daß es ein wunderschönes Land ist.
    Für Morgen wünsche ich Euch, daß Ihr viele Wale zu sehen bekommt!!
    Liebe Grüße Oma – Mutti❤️👍

  2. Prima Bericht. Der Fischkuchen wäre sicher auch was für mich gewesen.
    Ich hab mir jetzt einen Camping-Kastenwagen gekauft. Hast Du irgenwelche Erkenntnisse zum Thema WoMo-Urlaub in Schottland?
    Stellplätze?
    Ausstattung?
    Man braucht ja auch gelegentlich ein Dusche und ein Clo für „große Geschäfte“
    (ich hab zwar ein kleines Bad, aber große Geschäfte…?)
    Liebe Grüße aus dem hohen Süden
    Frieder

    1. Lieber Frieder,

      WoMos sind fest eingeplant! Freu dich auf den Bericht über Autofahren in Schottland – da wirst Du bestens informiert sein. Und ja, Toiletten wirst Du finden. Campen mit dem WoMo ist in Schottland super easy und günstig.

      Ganz liebe Grüße,
      Marian

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